A call for accelerated efforts to improve Reproductive, Maternal, New-born, Child, and Adolescent Health in Tanzania

Durchschnittliche Kinderzahl von Frauen im gebärfähigen Alter: 5.2, Müttersterblichkeit bei der Geburt: 556 auf 100’000 Lebendgeburten, Teenagerschwangerschaften: 27 von 100 Teenagern. Dies sind nur einige Zahlen aus der Gesundheitsstatistik Tanzanias. Und erschreckenderweise sind diese Werte steigend und nicht sinkend!

Im Juli verbrachte ich mit anderen Mitgliedern aus diversen europäischen Parlamenten eine Woche in Tanzania, organisiert durch EPF (European Parliamentary Forum on Population and Development), in welchem ich im Vorstand bin. Wir besuchten gemeinsam mit Mitgliedern der TPADP (Tanzania Parliamentary Association on Population and Development) verschiedene Gesundheitseinrichtungen in Dar es Salaam und Zanzibar, führten Gespräche mit MinisterInnen, Parlamentsmitgliedern aus Sansibar und Tanzania und Akteuren von NPO. Wir sahen lange Schlagen von Frauen, Kindern und jungen Menschen, die in diesen Einrichtungen Unterstützung suchten. Doch leider ist deren Kapazität bezüglich Platz und Mitarbeitenden beschränkt. Es besteht ein riesiger Bedarf an qualifiziertem medizinischen Personal. Wir sahen veraltete medizinische Geräte, Aktenführungen auf Papier, Schmutz, Hinweistafeln für Geburten, Bett an Bett, die Hitze war spürbar zusammen mit stickiger Luft.

Besonders beschäftigt mich im Gesundheitsbereich die hohe Zahl an Teenagerschwangerschaften. Der Staat muss seine Anstrengungen, diese Anzahl, unbedingt ausweiten. Für die betroffenen Mädchen bedeutet eine Schwangerschaft eine Bedrohung ihrer Zukunft. Sie ist eine Gefahr für ihre Gesundheit und für ihre Möglichkeit, eine Ausbildung zu absolvieren. Sie behindert das Erstarken der Frauen und somit die Gleichstellung. Die jungen Frauen verharren in Armut und Abhängigkeit und haben keine Möglichkeit, am sozialen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen.

Das Durchschnittsalter bei der Erstgeburt liegt zurzeit bei 17 Jahren und 50% der Frauen Tanzanias sind im gebärfähigen Alter. Das ist auch wirtschaftlich gesehen ein grosses Problem. Deshalb ist eine ausreichende Information aller Frauen (und Männern) zu Schwangerschaft und Familienplanung von grosser Wichtigkeit. Eine entsprechende Beratung muss allen offen stehen, wie dies heute einige NPO’s anbieten. Dabei müssen auch Themen wie beispielsweise Stillen und ungeplante Schwangerschaften abgedeckt werden.

Im Moment ist es so, dass in Tanzania Abtreibungen verboten sind. Wird ein Mädchen im Teenageralter schwanger, darf sie die Schule nicht mehr besuchen und wird von der Familie ausgeschlossen. Für die werdenden Väter bleibt die Schwangerschaft ohne Konsequenzen. Gerade deshalb ist die Zusammenarbeit mit den jungen Männern ein wichtiger Schritt. Sie sollten sensibilisiert werden für die Konsequenz, die eine Frau zu tragen hat. Und sie sollten aufgefordert werden, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Für Frauen ist es beispielsweise sehr schwierig, Kondome zu kaufen. Sie haben Angst, dass die Eltern davon erfahren könnten, es droht ihnen Stigmatisierung. Deshalb müssen hier die Männer in die Pflicht genommen werden, auch wenn es für sie auch nicht einfach ist. Zentral ist eine Veränderung der gesellschaftlichen Akzeptanz. Familienplanung und Gleichstellung der Partner müssen selbstverständlich werden. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Einmal mehr möchte ich darauf hinweisen, dass Bildung Armut verringert. Durch eine höhere Quote von Frauen mit Ausbildung wird sich die durchschnittliche Anzahl Schwangerschaften verkleinern und die Armut nimmt ab. Mehr junge Menschen werden zu qualifizierten Arbeitskräften und das Land wird wirtschaftlich erfolgreicher. Als Folge kann auch die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung besser gewährleistet werden. Die Sterblichkeit von Müttern sinkt und dem Land stehen mehr weibliche Arbeitskräfte zur Verfügung. Mehr ausgebildete Frauen sind also eine wichtige Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Landes.

Im Laufe der Woche habe ich in verschiedenen NPO’s sehr engagierte Personen kennengelernt, die sich mit Herzblut für ihre Projekte einsetzen. Sie leisten einen sehr wertvollen Beitrag für die Entwicklung Tanzanias. Doch auch die Regierung muss ihre Verantwortung wahrnehmen und neben allen anderen Herausforderungen, einen Wertewandel in Tanzania unterstützen. Frauen und Männer sind gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft und haben ein Recht auf Bildung und Teilnahme am sozialen und wirtschaftlichen Leben! Diese Haltung muss für alle selbstverständlich werden.

Die Tage in Tanzania werden mich gedanklich noch eine Weile begleiten. Ich habe gesehen, wie viele junge Frauen in einem Abhängigkeitsverhältnis leben und keine Perspektive auf Selbständigkeit haben. Aber ich habe auch ein Land angetroffen, dass sich Gedanken über die Zukunft macht und Anstrengungen für die Besserstellung seiner Bevölkerung unternimmt. Die Unterstützung durch die Schweiz, wie auch durch EPF, ist sehr hilfreich. Wir verfügen über ein grosses Fachwissen und können das weitergeben. Die Menschen sind dankbar dafür.

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