Am internationalen Tag der Frau hat Yvonne Feri zur Ihrem Kernthema gesprochen.

Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein Verfassungsauftrag. Gleichstellung betrifft Männer und Frauen und ist ein Gewinn für Männer und Frauen. Mehr dazu in der nachfolgenden Rede von Yvonne Feri.

Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein Verfassungsauftrag. Gleichstellung betrifft Männer und Frauen und sie ist ein Gewinn für Männer und Frauen. Heute, am Frauentag, wollen wir jedoch das Augenmerk auf die Frauen legen.

Letzte Woche hat der Ständerat die bereits abgespeckte Vorlage zur Lohngleichheit an die zuständige Kommission zurückgewiesen. Dies aus fadenscheinigen Gründen – die Herren verlangen eine „bessere“ Vorlage. Was kann denn daran besser werden? Noch schlanker? Oder doch stärkere Verpflichtungen? Ich kann mir weder das eine noch das andere vorstellen – keine Variante wird Mehrheiten finden. Warum stehen diese Herren nicht hin und sagen: ….wir glauben nicht an die Lohnungleichheit – es braucht keine Massnahmen – und sollte eine Korrektur notwendig werden, dann soll das freiwillig geschehen und überhaupt: Frauen sind doch selber schuld. Sie müssen nur höhere Löhne fordern. …

Über 30 Jahre haben diese Herren Ständeräte und die Wirtschaft geschlafen: Wo sind ihre Berechnungsmethoden? Wo ihre Mittel zur Bekämpfung der Lohnunterschiede? Oder wo der Beweis, dass es scheinbar keine Lohnunterschiede bei gleicher Arbeit gäbe? Das Vorgehen ist eine starke Ohrfeige für uns Frauen. Wir werden weder ernst genommen, noch wird unsere Arbeit ebenso gewürdigt und respektiert, wie diejenige der Männer. Seit über zwanzig Jahren besteht dieses Gesetz – und nichts passiert. Und wir reden hier bekanntlich nur von der unerklärbaren Lohndifferenz. Wir reden noch nicht mal von den gering bezahlten typischen Frauenberufen.  Der Weg der Freiwilligkeit für Unternehmen, die Lohngleichheit zu garantieren, ist gescheitert.  Der Kanton Aargau hat sich auch nicht am Lohngleichheitsdialog beteiligt. Wie auch? Wer auch? Wer kümmert sich darum? Stimmt, es fehlt ja die Fachperson, welche sich um dieses Thema kümmern würde.

Und es geht weiter mit Bad-News für uns Frauen: Es sind die bürgerlichen Parteien, die das Frauenrentenalter erhöhen wollen, unter anderem mit dem Argument der Gleichstellung. Das ist unglaubwürdig und heuchlerisch. Denn dort wo mit dem Argument der Gleichstellung gespart werden kann, sind dieselben Personen rasch dafür und dort wo etwas investiert werden muss, wollen sie nichts davon wissen.

Die Aargauer Regierung glaubt, dass in unserem Kanton kein Handlungsbedarf besteht. Ich glaube, ich höre und lese nicht richtig…. Denn es gibt auch im Aargau Handlungsbedarf:

Die Aargauer Regierung besteht aus vier Männern und einer Frau. Der Bankrat bestand jahrelang nur aus Männern, jetzt gibt es – nach grossem Ach und Krach – doch wieder wenigstens eine Frauenvertretung. Der Kanton Aargau verlor eine Lohnklage von Kindergärtnerinnen. Haben unsere Spitäler in den Führungsetagen Frauen? Wie viele Frauen gibt es im Grossen Rat? Und wie gesagt: am Lohngleichheitsdialog hat sich der Kanton nicht beteiligt.

Das Volk bestimmt die Bundesverfassung, Gesetze werden durch die Parlamente erlassen, manchmal gibt es Referenden. Die Bevölkerung hat auch dann das letzte Wort. Eine wunderbare Demokratie! Eine Demokratieentscheidung war bspw. 1971, dass Frauen das Stimm- und Wahlrecht erhalten. Eine weitere wichtige Errungenschaft war die Mutterschaftsversicherung. Die Bevölkerung hat einiges getan für die Gleichstellung der Geschlechter, für die Frauen. Doch, wir sind noch nicht am Ziel. Es gibt nach wie vor Lücken und das Schliessen dieser Lücken würde – und jetzt bringe ich die Männer ins Spiel –auch den Männern einen Gewinn bringen, bspw.:

  • Mehr Lohn für die Frauen bedeutet weniger Abhängigkeit von den Männern, mehr Geld im AHV-Topf und in der Steuerkasse – gerade das müsste den Kanton Aargau interessieren!
  • Mehr Kinderbetreuungsplätze bieten für Eltern (also Männer und Frauen) eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
  • Karriere kann man auch mit Teilzeitstellen machen - die Wirtschaft muss umdenken und solche Stellen schaffen.
  • Liebe Männer, Karriere mit einem 80%-Pensum wäre doch toll.
  • Aufhebung von Rollenbilder – oder wollen die Männer weiterhin als Deppen im Haushalt dargestellt werden? Oder belächelt werden, wenn sie mit ihren Kindern am Spielplatz sitzen?
  • Alternierende Obhut von Kindern bei einer Scheidung/Trennung sollte zur Selbstverständlichkeit werden.
  • Schutzplätze bei häuslicher Gewalt für Frauen, Männer und Kinder braucht es nach wie vor.
  • Eine Elternzeit, welche diesen Namen auch wirklich verdient!

Es gäbe noch viele Beispiele.

Nun, eine Fachperson zur Gleichstellung will die Regierung nicht, will der Grosse Rat nicht. Klar nicht, Gleichstellung ist ja erreicht – zumindest im Kanton Aargau – ja genau, das war zynisch gemeint. Doch wir, die hier stehen, glauben und wissen, dass noch einiges im Argen liegt und Frauen – wie auch Männer - Organisationen, Unternehmen und viele mehr wären froh, sie hätten eine Anlaufstelle, welche sich der wichtigen Aufgabe, nämlich der Umsetzung der Bundesverfassung und der entsprechenden Gesetze bewusst ist. Das Volk wollte und will die Gleichstellung – und zwar nicht nur dann, wenn hinter dem Deckmantel der Gleichstellung gespart werden kann, sondern generell und überall.

Deshalb brauchen wir eine kantonale Fachperson. Wir wollen, dass Frauen und Männer respektvoll miteinander umgehen, sich Wertschätzung entgegenbringen und jede Person, egal welches Geschlecht die Person hat, ihren Lebensweg frei wählen kann und dafür respektiert und geachtet wird. Leider ist das heute nicht so. Und deshalb ist die Gleichstellung der Geschlechter auch im Kanton Aargau noch nicht erreicht. Genau deshalb braucht es eine Fachperson. Eine Fachstelle.

(es gilt das gesprochene Wort)

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