Die gesundheitlichen Gefahren der sozialen Isolation

Die Vorgaben des Bundesrats sind klar: Wer nicht für die Arbeit, für die Beschaffung von Lebensmitteln oder für einen Arztbesuch die eigene Wohnung verlassen muss, soll zuhause bleiben. Schulen, Restaurants, Fitnessstudios, öffentliche Parks und andere soziale Treffpunkte sind geschlossen. Wir alle sind aufgerufen, das «Social Distancing» strikte einzuhalten, um Menschenleben zu retten. Was bedeutet diese soziale Isolation? Wo gibt es Unterstützung?

Die Vorgaben des Bundesrats sind klar: Wer nicht für die Arbeit, für die Beschaffung von Lebensmitteln oder für einen Arztbesuch die eigene Wohnung verlassen muss, soll zuhause bleiben. Schulen, Restaurants, Fitnessstudios, öffentliche Parks und andere soziale Treffpunkte sind geschlossen. Wir alle sind aufgerufen, das «Social Distancing» strikte einzuhalten, um Menschenleben zu retten. Die rasant ansteigenden Zahlen von Corona-Infizierten sowie Bilder von total überlasteten Intensivspitälern in Italien lassen keinen Zweifel am Ernst der Lage. Wie lange die Notlage andauern wird, weiss niemand.

Ganz plötzlich sind Einzelpersonen, Paare und Familien sich selbst überlassen, Unterstützung von Fachpersonen gibt es kaum. Es ist schwierig, den Alltag ganz neu zu organisieren, eine sinnvolle Tagesstruktur zu schaffen sowie die Arbeit und den Schulunterricht Zuhause zu erledigen und gleichzeitig mit der Verunsicherung durch das Coronavirus zurechtzukommen. Krisen und Konflikte sind vorprogrammiert. Mit diesen umzugehen, stellt in der Isolation eine grosse Herausforderung dar, denn die gängigen Krisen- und Konfliktlösungsstrategien funktionieren häufig nicht. Paare können sich nach einem Streit nicht einfach einen Tag aus dem Weg gehen, Grosseltern dürfen nicht mehr die dringend nötige Entlastung bei der Kinderbetreuung bieten, feste Therapietermine für psychisch Erkrankte fallen weg, Kinder können ihre Sorgen nicht im Spiel mit Gleichaltrigen vergessen. Und ausgerechnet in Zeiten der erhöhten Belastung entstehen Löcher im sozialen Netz, das sonst von aufmerksamen und interessierten Dritten gespannt wird. Grosseltern, KinderärztInnen, Lehrpersonen, TrainerInnen, die allfällige Probleme frühzeitig erkennen und bei Bedarf helfend eingreifen können, fehlen.

Was muss getan werden, damit die Corona-Krise nicht zu einem massiven Anstieg von Gesundheitsschädigungen durch häusliche Gewalt und psychische Not führt?  Es gibt kein Patentrezept. Unabdingbar ist aber, dass die Gefahren der sozialen Isolation öffentlich zum Thema gemacht und Lösungen gesucht werden. Menschen sollen wissen, dass die Isolation für viele schwierig ist und dass es auch während der Corona-Pandemie Anlaufstellen für Kinder und Erwachsene gibt, die Hilfe bieten, u.a. Opferhilfe-Beratungsstellen, Kriseninterventionsstellen, Gewaltberatungsstellen  und die Dargebotene Hand. Diese Informationen könnten auch über die Internetseiten des Bundes zum Coronavirus verbreitet werden. Eine nationale 24-h-Hotline wäre eine weitere sinnvolle Massnahme.

Erfreulich ist, dass Bund und Kantone eine Taskforce einberufen haben, um die Entwicklungen zu beobachten und um bei einer Zunahme häuslicher Gewalt reagieren zu können, vgl.  Medienmitteilung vom 23. März 2020. Möge es dieser Taskforce gelingen, gute Rahmenbedingungen für die wichtige Arbeit von Fachpersonen, die für Menschen in Krisen da sind, zu schaffen und damit Kinder und Erwachsene bestmöglich vor Gewalt und Krisen in der Isolation zu schützen!

Und wir alle sind aufgerufen, Teil eines möglichst straff gespannten sozialen Netzes zu sein, indem wir uns während der Corona-Pandemie verstärkt um unsere Mitmenschen kümmern. Wenn wir regelmässig zum Telefonhörer greifen und Bekannte, Verwandte und Freunde nach dem Befinden fragen, können wir dazu beitragen, dass Menschen in Not rechtzeitig die nötige Unterstützung erhalten!

Yvonne Feri
24. März 2020

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