Healty Body Image Forum

Rede am Healty Body Image Forum am 8. Juni 2017 in Bern

Sehr geehrte Damen und Herren

Besten Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, heute hier bei Ihnen zu sein!

Ein gutes Körpergefühl und Gesundheit ist ein Thema, das mir persönlich seit meiner Jugendzeit sehr wichtig ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass regelmässige körperliche Betätigung zu einem ausgeglichenen Geist und einem guten Körpergefühl verhilft. Ich geniesse es in meiner freien Zeit zu laufen und nehme auch gerne an sportlichen Anlässen teil. Ich ziehe beim Essen Gemüse in allen Varianten einer Bratwurst vor. Doch alles im Masse, auch natürlich mit Ausnahmen – mal so ein «Schnäfel» Servelat kann auch mir gut schmecken! Aber glauben Sie ja nicht, ich hätte in meiner Jugendzeit oder als junge Frau nie mit mir gehadert oder gar nie Diäten gemacht. Auch ich wurde stark von Bildern geprägt, von der Werbung beeinflusst. Als ich irgendwann schwanger wurde, war eine meiner grössten Sorgen, dass ich nicht mehr zu meinem Idealgewicht zurückkehren würde – auch das war eine Angst, stark beeinflusst von Bildern, welche mir ständig begegneten. Und auch heute, liebe Anwesende, als doch bereits 50jährige Frau, ertappe ich mich ab und zu, wie ich beeinflusst werde. Und das alles, obwohl mir ganz klar ist, was Bilder ausstrahlen, die Zusammenhänge kann ich erfassen und ich bin eine aufmerksame Konsumentin. Ich frage mich, wie sollen mit diesen Bildern unsere Kinder und Jugendlichen zurecht kommen?

Als Politikerin begleitet mich das Thema Gesundheit ebenfalls seit vielen Jahren. Zuerst als Gemeinderätin und heute als Nationalrätin. In dieser Funktion habe ich auch im Jahr 2015 ein Postulat mit dem Titel «Selbst- und Körperbild von Jugendlichen. Lancierung von Programmen» eingereicht. Ich bat den Bundesrat zu prüfen, wie Jugendliche in ihrem Selbst- und Körperbild bestärkt werden können. Der Bundesrat verweist in seiner Stellungnahme zu meinem Postulat auf das HBI Programm und auf die Problematik, dass durch eine verzerrte Körperwahrnehmung keine objektive Beurteilung des Körpers möglich ist. Dadurch können gesundheitsschädliche Verhaltensweisen auftreten. Trotzdem erachtet er die bisherigen Aktivitäten als ausreichend und lehnt das Postulat ab und leider ist es nun, infolge der Fristen, abgeschrieben.

Ihr Hauptfokus heute ist das Thema «Männergesundheit mit Blick auf das Körperbild». Vor wenigen Jahren, in gewissen Kreisen heute noch, werden Essstörungen, besonders Magersucht und Bulimie, meistens im Zusammenhang mit Frauen diskutiert. Heute wissen wir, dass auch viele Männer jeden Alters davon betroffen sind. Spitalbehandlungen aufgrund von Magersucht haben in den letzten Jahren um 30% zugenommen. Eine unglaubliche Steigerung! Jugendliche und zunehmend auch sehr junge Patientinnen und Patienten erzählten, dass sie unter anderem von sozialen Medien unter Druck gesetzt werden. Es gibt Plattformen, die das gestörte Verhältnis zum eigenen Körper als Lifestyle zelebrieren und mit Fotos von Betroffenen zur Nachahmung aufrufen. Es ist also angebracht, dass junge Menschen darüber aufgeklärt werden, was ein normales Verhältnis zum eigenen Körper bedeutet.

Extensives Ess- oder Sportverhalten führt – wie wir alle hier wissen – zu physischen und psychischen Problemen. Denn mit dem Gesundheitsbewusstsein ist es wie mit vielen anderen Dingen auch. Es ist eine Frage des Masses. Wann ist Sport noch gesund und wann wird es zu einer exzessiven Beschäftigung mit Suchtpotential? Wird Muskelaufbau mit der Einnahme von Medikamenten schädlich? Bis zu welchem Punkt ist die Kontrolle des Körpergewichtes noch in einem vernünftigen Rahmen?

Die Forschung zeigt, dass

  1. die psychische Gesundheit stark vom eigenen Körperbild abhängt. Ist dieses negativ, sind Selbstzweifel, Ängste, Zwangs- oder Essstörungen und Depressionen die Folgen – mit oft schwerwiegenden Konsequenzen für die Betroffenen und ihr Umfeld sowie in der Folge hohen gesellschaftlichen Kosten
  2. die Schweiz besonders betroffen ist: Die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper hat in der Schweiz über die letzten Jahre abgenommen, Essstörungen treten im europäischen Vergleich überdurchschnittlich häufig auf, Spitalbehandlungen wegen Magersucht haben stark zugenommen

Und trotzdem ist die Stimmung im Parlament präventiven Anliegen gegenüber in dieser Legislatur noch weniger zugetan, als in den Jahren davor. Daher ist es fraglich, ob eine neue Intervention zum Erfolg führen könnte. Mir persönlich ist klar, dass, wenn wir in Aufkläung und Prävention investieren, Folgekosten besonders im Gesundheitsbereich einsparen können. Doch dafür eine Mehrheit im Parlament zu finden, erscheint mir praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Sparen und Abbau ist angesagt.

Es erscheint mir deshalb wichtig, dass wir immer wieder versuchen, das Thema in den Medien, im Internet, auf Foren, in der Werbebranche zu platzieren, darauf aufmerksam machen, welche Auswirkungen Bilder bereits auf die Kinder haben. Zusammenhänge aufzeigen, verständlich machen. Ihre Arbeit ist sehr wertvoll und wichtig und muss unbedingt weitergehen. Dafür danke ich Ihnen!

Ein Blick ins nahe Ausland zeigt, dass andere Länder bereits weiter sind. Oesterreich und Deutschland verfügen über Programme, welche teilweise vom Staat mitgetragen werden.

Es gibt ja zum Glück bereits einige wenige gute Beispiele, welche unterstützt werden können. Wie in der Modebranche, wenn zu magere Models ausgeschlossen werden. Das bringt Schlagzeilen und wir alle können diese weiterverbreiten – und immer den Zusammenhang zu Verhaltensstörungen aufzeigen.

Und wir alle, als Eltern, PolitikerInnen, Fachfrauen und Fachmänner, sollten als Vorbilder agieren. Achten wir darauf, dass wir uns regelmässig bewegen und ausgewogen ernähren. So haben wir selbst ein gesundes Körperbewusstsein und können diese Zufriedenheit weitergeben.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen weiterhin einen spannenden Tag.

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