Tag der Arbeit! 1. Mai 2017

Ich durfte heute in Zofingen zu zahlreichem Publikum ein paar Worte sprechen.

Eine soziale Gesellschaft!

Der 1. Mai ist seit Jahrzehnten in über 100 Staaten ein Feiertag. In fast allen Staaten der Welt gibt es heute Anlässe – letztlich mit Forderungen für mehr soziale Gerechtigkeit. Und diese erscheinen mir je länger je wichtiger für die Erhaltung des sozialen Friedens – auch in der Schweiz.

Sozial gerecht ist unsere AHV. Wir werden im September über die Altersvorsorge 2020 abstimmen. Auch wenn diese Revision aus unserer Sicht nicht nur positive Aspekte enthält, brauchen wir diese dringend. Denn nur mit dieser Revision sind unsere Renten in Zukunft gesichert, seit Jahrzehnten gibt es erstmals wieder eine Erhöhung der AHV-Renten und wir konnten im Parlament schlimmeres verhindern, wie bspw. die Aufhebung der Kinderrenten oder die automatische Rentenaltererhöhung auf 67.

Einen Punkt dieses Kompromiss innerhalb dieser Vorlage möchte ich besonders hervorherben: die Frauenrentenaltererhöhung von 64 auf 65. Wir, die SP Fraktion, hat sich stark dagegen gewehrt, weil unter dem Deckmantel der Gleichstellung damit Millionen gespart werden können. Aber wo bleibt sonst die Umsetzung des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung? Wenn es Investitionen (bspw. in Tagesstrukturen) braucht, ist die Gleichstellung plötzlich erreicht und es muss nichts mehr verändert werde. Wir alle wissen aber: Noch immer werden Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt. Und da Frauen aufgrund der traditionellen Rollenverteilung häufiger Teilzeit arbeiten, sieht ihre Altersvorsorge, besonders in der zweiten Säule, sehr schlecht aus. Es muss einen Weg geben, Familie und Beruf zu vereinbaren, ohne dass für Frauen, oder auch teilzeitarbeitende Männer, Nachteile entstehen. Jede Familie sollte die Freiheit haben, selber zu wählen, welches Modell sie leben wollen. Teilen sich die Eltern Familien- und Erwerbsarbeit zu gleichen Teilen? Oder teilen sie 60:40? Oder arbeiten beide Teile 60% und Kinder werden teilweise extern betreut? Oder übernimmt ein Elternteil die Erwerbsarbeit und ein Teil bleibt zuhause? Wie auch immer! Ich wünsche mir, dass Familien die freie Wahl haben und eine wichtige Grundlage dafür ist, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten. Nun, da die Gleichstellung beim Rentenalter wohl demnächst Realität sein wird, verlangen wir laut und vehement endlich diese Lohngleichheit! Und nebenbei: es müssen unbedingt auch genügend externe Betreuungsplätze für Kinder zur Verfügung stehen – und dies zum Nutzen der ganzen Familie, beider Elternteile! Gleichstellung ist ein Gewinn für Alle!

Ein weiteres Thema, das mich im Rahmen der Geschlechterfrage beschäftigt ist der Sexismus. Wir befinden uns in einer Zeit, in der das Bewusstsein für Genderdiskriminierung steigt. Es ist wichtig, dass wir unsere Augen für Sexismus in unserem Alltag öffnen. Nachdenklich gestimmt hat mich die Aussage, dass viele Frauen Sexismus gar nicht erkennen, auch wenn er vor Ihrer Nase passiert. Denn Sexismus ist in unserem Alltag weit verbreitet und oft auch sehr subtil. Denken wir doch nur daran, dass es Verhaltensweisen gibt, die Männern positiv zugeschrieben werden, sich aber für Frauen nicht gehören. Bspw., ein Mann ist zielstrebig, die Frau reisst die Aemtli an sich, oder ein Mann, welcher mit Kind an einem Wochentag auf dem Spielplatz verweilt…. Ein Exot! Bei Frauen gehört es sich so.

Auch Sexismus am Arbeitsplatz ist an der Tagesordnung. Beispielsweise werden Frauen bei Vorträgen doppelt so oft unterbrochen wie Männer. Und auch der Redeanteil der Männer an Meetings ist signifikant höher als der von Frauen. Ausserdem erledigen Frauen öfter Sekretariatsarbeiten, auch wenn es nicht zu ihrem Jobprofil gehört. Schenken wir diesem Thema zukünftig in unserem Alltag ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Oder Teilzeitarbeit in Führungspositionen mit Verantwortung erlaubt man knapp den Männern, sicher nicht den Frauen, ausser bei Martullo’s. Aber, leider, gibt es auch zuwenig Teilzeitstellen für Männer! Auch das zu verändern gehört zur Gleichstellung. Erkennen wir Sexismus und verändern so unsere Gesellschaft! Wir haben noch einiges zu tun.

Nun möchte ich noch kurz über ein ganz anderes Thema sprechen. Neben meinem Nationalratsmandat bin ich Geschäftsleiterin der Stiftung für Freiheit und Menschenrechte.
Freiheit und Menschenrechte liegen mir sehr am Herzen und auch sie haben an einem 1. Mai ihre Aufmerksamkeit verdient. Der Slogan dieser Stiftung lautet «Recht auf Perspektive». Dieses Recht kann sehr vieles bedeuten. Perspektive hat für jeden Menschen eine andere Bedeutung. Sie ist abhängig davon, wie alt wir sind, wo wir leben, welche Aufgaben im jeweiligen Lebensabschnitt auf uns warten. Für ein Kind irgendwo in Afrika bedeutet Perspektive vielleicht nicht hungern zu müssen und eine Schule besuchen zu dürfen. Für einen 50-jährigen arbeitslosen Mann in der Schweiz bedeutet Perspektive, wieder einen Job zu finden und bis zur Rente eine Beschäftigung zu haben. Für einen Jugendlichen kann Perspektive ein Ausbildungsplatz und Freunde bedeuten. Für einen Flüchtling kann Perspektive heissen, einen sicheren Aufenthaltsort zu finden. Für eine 85-jährige Frau bedeutet es vielleicht, in Würde den Lebensabend zu geniessen und einen Ort zu finden, wo sie liebevoll gepflegt wird.

Ich könnte noch viele Beispiele aufzählen und jeder und jede von Ihnen hat sicher eine Vorstellung davon, was Perspektive im Moment für ihn oder sie bedeutet. Oft verbinden wir den Gedanken an eine Perspektive mit unserer Arbeit. Damit meine ich ihren Inhalt, die täglichen Bedingungen oder die Sicherheit. Die Arbeit und ihre Rahmenbedingungen sind wichtig für unsere Lebensqualität. Wir brauchen die Sozialpartnerschaft! Es ist wünschenswert, dass jeder von uns in der Arbeitswelt eine lebenswerte Perspektive hat! Und es ist wichtig, dass wir hin und wieder daran erinnert werden und uns aktiv engagieren und nicht einfach zurücklehnen.

Trotzdem: vergessen wir bei aller Kritik an unserem System und an unserer Politik nicht, auch dankbar zu sein. Es gibt etliche Teile auf der Welt in denen Menschen hungern müssen oder deren Heimat ein Kriegsgebiet ist. Jeden Tag sind sie mit Angst, Zerstörung und Elend konfrontiert. Ich bin dankbar, dass ich hier in Sicherheit leben darf und die Möglichkeit habe, Einfluss zu nehmen. Ich leiste gerne meinen Beitrag an eine Zukunft für alle, die sozialer und gerechter ist.

Zum Glück gibt es in der Schweiz viele Menschen die sich politisch und ehrenamtlich engagieren. Aber ich möchte Ihnen auch ans Herz legen, den sozialen Zusammenhalt im Alltag zu leben. Wenn jeder und jede von uns hin und wieder den Nachbarn einen Gefallen tut, im Freundeskreis Hilfe leistet oder einen Arbeitskollegen unterstützt, so tut er ebenfalls etwas für eine gute Zukunft für alle, die sozialer und gerechter ist. Bleiben wir aktiv, im Grossen und im Kleinen!

In diesem Sinne wünsche ich uns eine sozial gerechte Gesellschaft!

Share this:

Aktuelles

Wochen gegen Menschenhandel

18. Oktober 2017 - 14:14

Es ist mir eine Ehre, dass ich am 18. Oktober die Eröffnungsrede für diese Veranstaltung halten durfte.

Weiterlesen

Häusliche Gewalt, Stalking, Bedrohungsmanagement

11. Oktober 2017 - 16:05

Die drei Bereiche gehören seit langem zu meinen politischen Themen. Regelmässig habe ich dazu Forderungen gestellt. Heute hat der Bundesrat nun seine Massnahmen...

Weiterlesen

Sessionsbericht

29. September 2017 - 12:56

Aktuelles aus der Herbsession 2017

Weiterlesen

Fair. Fairer. Feri.